
Der Schafherdengesundheitsdienst informiert:
Die Schafräude ist zurück in Baden Württemberg: Ein Handlungsleitfaden für Schafhalter
Dres. Bürstel, Axt, Lüdtke

Auch in 2026 sind bereits wieder mehrere Fälle der Schafräude in Baden-Württemberg aufgetreten. Noch tritt die Erkrankung erst in einzelnen Gebieten gehäuft auf, eine Ausbreitungstendenz ist aber deutlich erkennbar.
Die Körperräude des Schafes, verursacht durch die Milbe Psoroptes ovis, ist eine parasitäre Hauterkrankung mit schwerer Symptomatik und seuchenhafter Ausbreitungstendenz.
Die Symptome zeigen sich oft durch Kratzen, unruhiges Verhalten, Woll-/Haarausfall und im fortgeschrittenen Stadium Bildung von Krusten und Schuppen, sowie nässenden Entzündungsreaktionen der Haut. Die Schafe magern ab, die Milchleistung geht zurück und bei Lämmern kann es zu Todesfällen kommen. Besonders über den Winter kann das feuchtwarme Klima und fehlendes UV-Licht in den Ställen zur schnellen Ausbreitung der Erkrankung führen, während in den Sommermonaten auf der Weide die Symptome nahezu verschwinden können, die Milbe aber nach wie vor im Bestand vorhanden ist.

Für die Schafhalter bedeutet dies nicht nur erhebliches Tierleid, sondern auch wirtschaftliche Einbußen durch verminderte Leistungsfähigkeit und erhöhte Behandlungskosten. Daher ist es von großer Bedeutung, die Krankheit frühzeitig zu erkennen und wirksam zu bekämpfen.
Für die Behandlung stehen sowohl Injektionspräparate (Ivermectin, Doramectin) als auch die Badelösung Sebacil® zur Verfügung. Für Schafbetriebe, die Milch für den menschlichen Verzehr produzieren, ist kein Medikament zugelassen. Grundsätzlich sind beide Verfahren wirksam, wobei die Gefahr von Wirkstoffresistenz bei den Injektionsmitteln als höher angesehen wird. Bleiben Schlachttiere unbehandelt, besteht hier jederzeit die Gefahr einer Reinfektion und es müssen besondere Vorkehrungen gegen eine Verschleppung getroffen werden.

Von daher ist der Badebehandlung der Vorzug zu geben. Wo sie nicht angewendet werden kann (z.B. im Winter bei sehr niedrigen Umgebungstemperaturen), kann auch eine Kombination beider Verfahren sinnvoll sein z.B. zweimalige Injektionsbehandlung im Winter gefolgt von zweimaliger Badebehandlung, sobald es die Temperaturen erlauben. Ziel muss immer die vollständige Eliminierung aller Milben aus dem Bestand und somit die Sanierung der Körperräude sein.
Dazu müssen alle Tiere der Herde gleichzeitig und wiederholt (mind. 2x) im Abstand von 7 – 10 Tagen behandelt werden, um auch aus Eiern nachschlüpfende Milben abzutöten. Bleiben Schlachttiere unbehandelt, besteht hier jederzeit die Gefahr einer Reinfektion und es müssen besondere Vorkehrungen gegen eine Verschleppung getroffen werden.


Fällt die Behandlung in die Zeit der Schafschur, können zwei Injektionsbehandlungen vor der Schur die Gefahr der Übertragung durch den Schafscherer deutlich reduzieren, die Gefahr der Verletzung der Tiere reduzieren und die Arbeitssicherheit der Scherer erhöhen, da die Tiere während der Schur ruhiger sind (weniger Juckreiz/Kratzbewegungen). Einzeltiere mit starkem Juckreiz (kann sich in Einzelfällen auch nach Abtöten der Milben durch allergische Reaktion/ verborkte Haut noch einige Wochen zeigen) können durch Injektion des für Rinder zugelassenen Antihistaminikums Ancesol® vor der Schur behandelt werden.
Je nach Einzelfall, Haltungsbedingungen, Jahreszeit, Besonderheiten einer Herde können abweichende Behandlungsempfehlungen sinnvoll sein.
Um die Weiterverbreitung insbesondere durch Tierverkehr und Vektoren zu verhindern, müssen ergänzend zur Behandlung zwingend Biosicherheitsmaßnahmen umgesetzt werden. Hier sind neben den Schäfereibetrieben selbst vor allem Viehhändler, Schafscherer, Klauenpfleger und Tierärzte angesprochen. So müssen Viehtransportfahrzeuge, Schergeräte und Kleidung bei Kontakt mit Verdachtsbetrieben zuverlässig entwest werden.
Um die Weiterverbreitung insbesondere durch Tierverkehr und Vektoren zu verhindern, müssen ergänzend zur Behandlung zwingend Biosicherheitsmaßnahmen umgesetzt werden. Hier sind neben den Schäfereibetrieben selbst vor allem Viehhändler, Schafscherer, Klauenpfleger und Tierärzte angesprochen. So müssen Viehtransportfahrzeuge, Schergeräte und Kleidung bei Kontakt mit Verdachtsbetrieben zuverlässig entwest werden. Der Zukauf von Schafen stellt die größte Gefahr dar, sich die Krankheit einzuschleppen. Schäfereien mit eigener Schlachtstätte sind bei Zukauf von Lämmern (viele Herkunftsbetriebe) besonders gefährdet, dass die Infektion in die eigenen Herde überspringt.

Eine Entwesung der Umgebung kann nach Reinigung der Gegenstände (Stall/Geräte/ Fahrzeuge/Stiefel) mit milbiziden (= milbenabtötenden) Desinfektionsmitteln (z.B. Intermitox®, CBM8MV®) erfolgen. Ansteckungsfähige Psoroptesmilben überleben ohne Schafe je nach Umgebungsbedingungen (s. Infobox) nur einige Wochen, so dass auch ein Leerstand von Stall bzw. Weide als Biosicherheitsmaßnahme genutzt werden kann.
In der Kleidung können die Milben durch nasse und trockene Hitze oder Tieffrieren (Kochwäsche oder Wäsche mit milbiziden Waschmitteln / Wäschetrockner bei 80 Grad / 3 Tage Tiefkühltruhe bei minus 15 Grad) abgetötet werden.
Die Schafräude ist mit konsequenter gemeinsamer Anstrengung gut und nachhaltig zu bekämpfen. Die größte Gefahr besteht in zögerlichem Handeln oder gar Vertuschungsversuchen sowie unsachgemäßen Behandlungen. Bitte wenden Sie sich bei jedem Verdacht auf Räude an den Schafherdengesundheitsdienst, der Sie bzw. Ihre Tierarztpraxis individuell berät und gemeinsam mit den Schäfereibetrieben ein Ziel hat: die schnellstmögliche Tilgung der Schafräude zu erreichen.
